Du hast ein Verlangen in Dir, nach Nähe, nach Berührung. Nach einer lebendigen nährenden Intimität und dem Gefühl, begehrt zu werden. Du vermisst Dein inneres Feuer. Das Kribbeln, die Lust am eigenen Körper, und dann ist da dieses „Ich will ja, aber ich fühl mich nicht!“. Du sehnst Dich nach einer freien, sinnlichen Sexualität, und es wäre eigentlich alles da, doch Du bist komplett überfordert.
Da ist diese Müdigkeit. Eine enorme Erschöpfung, die viel tiefer geht als nur in den Körper. Eine, die sich breitmacht, sobald es ruhiger wird und die man nicht einfach ausschlafen kann.
Du bist damit nicht alleine. Viele Frauen in meinem Räumen kennen dieses Spannungsfeld, in dem Begehren und Erschöpfung nebeneinander existieren. Zwischen dem Wunsch nach mehr Feuer und der eigenen Erschöpfung. Denn eigentlich solltest Du doch Lust haben. Auf Deinen Partner, auf Nähe, auf Sex. Stattdessen fühlt es sich an wie ein weiteres To-do, nur eben eins, für das der Akku zu leer ist.
Wenn der Körper nicht mehr hinterherkommt
Viele von uns leben heute in einem permanenten Funktionieren. Kinder versorgen. Arbeiten. Beziehungen halten. Emotionale Räume tragen. Organisieren. Planen. Kümmern. Der weibliche Körper ist extrem leistungsfähig und wir Frauen können unglaublich viel tragen, aber nicht endlos. Vor allem dann nicht, wenn wir uns selbst über Jahre hintenangestellt haben.
Dein Kopf denkt dann:
Ich will wieder Lust haben.
Ich wünsche mir mehr Feuer.
Ich sehne mich nach Leidenschaft.

Aber Dein Körper ist an einem ganz anderen Punkt. Er ist müde, überreizt und abgeschnitten von seinen feinen inneren Signalen. Weil er gelernt hat, still zu halten, während der Kopf entscheidet. Wenn sich hier etwas verändern soll, braucht es keinen weiteren Anspruch.
Dein Körper braucht Dich: Deine Aufmerksamkeit, Dein Zuhören, Deine Präsenz. Und den Mut, wieder Kontakt mit Deinem Körper aufzunehmen.
Funktionieren wurde antrainiert
Wir sind in einer Welt gelandet, in der Funktionieren belohnt wird. Leistung, Anpassung und Kontrolle gelten als selbstverständlich und ziemlich oft auch als Maßstab für Wert. Der weibliche Körper, mit seinem Zyklus, seinen Stimmungen und seinen wechselnden Phasen, passt in dieses System nicht rein.
Der Zyklus gilt als lästig, Menstruation als etwas, das man eigentlich nicht braucht. Emotionale Schwankungen werden schnell als übertrieben abgetan, Schmerzen als normal hingenommen. Und so lernen wir schon früh, unseren Körper zu managen, statt ihm zu vertrauen. Er wird zu etwas, das funktionieren soll, unabhängig davon, wie es sich anfühlt.
Da ist das ständige Übergehen der eigenen Bedürfnisse. Kleine Momente, die sich summieren. Nicht auf die Toilette gehen, obwohl die Blase fast platzt. Hunger und Müdigkeit ignorieren. Schmerzen aushalten. Immer und immer wieder. Der Körper lernt ganz schnell, dass seine Signale keine Priorität haben. Und irgendwann stellt er seine Frequenz leiser. Dabei hätte er so viel zu sagen, aber es hört ihm ja eh niemand zu.
Diese Dynamik wirkt direkt in unsere Beziehungen hinein. Wer sich selbst ständig übergeht, hat es schwer präsent zu bleiben. Lust braucht ein Körpergefühl, das sich sicher anfühlt. Doch diese Sicherheit entsteht eben nicht durch Kontrolle, sondern durch Wahrnehmung und Hingabe.
Leistung wird zum Maßstab für Selbstwert, Kontrolle zur vermeintlichen Sicherheit. Hingabe dagegen wirkt riskant, zu offen, zu verletzlich. Gerade in intimen Momenten. Der Schoßraum folgt jedoch keiner Leistungslogik. Er lässt sich nicht zwingen, nicht managen und nicht optimieren. Er reagiert auf Erlaubnis oder zieht sich zurück.
Wenn ich mit den Frauen in meinem Umfeld über Libido spreche, meine ich nicht nur Sexualität an sich. Libido ist Lebensenergie. Sie zeigt sich im Begehren, in Kreativität, in Präsenz, in dieser magnetischen Ausstrahlung, die Nähe überhaupt erst möglich macht. Wenn der Schoßraum abgetrennt ist, verliert nicht nur die Lust an Farbe. Auch das Leben selbst fühlt sich meistens fader an, nicht wirklich lebendig.
Hinzu kommt, dass viele Frauen eine Sexualität leben, ohne wirklich im Körper zu sein. Sex aus Anpassung, nach dem Motto: Es wäre ja mal wieder Zeit. Sex, um Nähe zu sichern. Sex, bei dem Grenzen übergangen werden, manchmal kaum spürbar. Trotzdem zieht der Körper daraus seine eigenen Schlüsse: Ich bin hier nicht sicher. Und so wird Rückzug zum Schutz.
Unser Schoßraum wird in diesem Prozess stumm. Eigentlich hätt er so viel zu sagen, aber niemand hört ihm zu, weil seine Sprache, zyklisch, fühlend, nicht linear, in einer Welt, die auf Dauerleistung ausgerichtet ist, wenig Platz bekommt. Was bleibt, ist eine Distanz zum eigenen Schoßraum, die sich schleichend entwickelt und oft erst dann spürbar wird, wenn sich Erschöpfung, Lustlosigkeit oder innere Leere zwischen Dich und Deinen Partner stellen.
Verändern kannst Du hier nichts durch Wollen. Nicht durch neue Techniken. Nur durch das Wiederaufnehmen einer Beziehung zum eigenen Körper und damit auch zu Dir selbst und zum Gegenüber.
Einige versuchen, ihre Sexualität zurückzuholen, indem sie sich noch mehr anstrengen. Sie lesen Ratgeber, hören Podcasts, probieren Neues aus. Sie fragen sich, warum es bei anderen scheinbar so leicht ist und bei ihnen nicht. Warum der Wunsch da ist, aber der Körper nicht folgt. Warum Nähe im Kopf schön klingt, im Moment selbst aber die Distanz weniger Energie verbraucht.
Dann entsteht daraus ein Gefühl, nicht richtig zu sein. Zu wenig lustvoll, zu müde und zu kompliziert. Was stimmt nicht mit mir? Warum funktioniert das nicht mehr so wie früher? Aber Lust ist kein Schalter, den man einfach wieder umdrehen kann. Sie ist auch kein Ziel, das man erreicht, wenn man sich nur genug bemüht. Und sie entsteht schon gar nicht in einem Körper, der sich dauernd übergangen fühlt.
Die romantisierte Sehnsucht nach dem „anderen Leben“
Vielleich bist Du eine von den Frauen, die heimlich Bilder in sich tragen, die sie kaum auszusprechen wagen. Fantasien von einem anderen Mann, einem früheren Schulkollegen, eben von einer Begegnung, die wieder Feuer entzünden könnte. Dieses frische Verliebtsein, in dem alles leicht scheint und der Körper von selbst erwacht.
Selten geht es dabei wirklich um diesen anderen Menschen. Es geht um ein Gefühl, das vermisst wird: das Gefühl, lebendig zu sein. Begehrt zu werden. Die Sexyness.
Wenn Du solche Gedanken hast, herzlichen Glückwunsch, ich kannte sie auch, und ja sie können einem kurzfristig richtig entflammen. Das ist kein Zeichen von Untreue oder Beziehungsversagen. Sie sind ein Hinweis darauf, dass etwas in Deinem Inneren zwar ausgedörrt ist, aber das Feuer ist nicht verschwunden, es bekommt bloß keinen Sauerstoff mehr.
Was da romantisiert wird, ist nicht der andere Mann, sondern der Zustand von Lebendigkeit, der früher so selbstverständlich war.

Wenn Nähe zu Hause möglich wäre, aber unerreichbar scheint
Wahrscheinlich lebst Du in einer Beziehung in der Nähe eigentlich da sein könnte. Ein Partner, der da ist. Eine gemeinsame Geschichte. Geteilte Jahre, Kinder, Alltag. Doch genau der macht die Intimität unerreichbar. Wie etwas, das hinter einer Glasscheibe liegt, sichtbar, aber nicht greifbar.
Man weiß gar nicht mehr, wie man diesen Raum betreten soll. Wie man von Alltagsgesprächen, Wäschebergen und Erschöpfung wieder in ein echtes, leibhaftiges Miteinander findet.
Manchmal hat sich der Mann zurückgezogen oder er ist er vorsichtig geworden. Manchmal weiß keiner von beiden mehr, wie Nähe eigentlich beginnt.
Die Überforderung, wenn er den ersten Schritt tut
Und Trotzdem ist da dieser große Wunsch, begehrt zu werden, verführt, gesehen.
Aber dann passiert etwas Paradoxes: Wenn der Partner tatsächlich den ersten Schritt macht, fühlt es sich für Dich falsch an. Unpassend. Zu viel. Zu spät. Oder zu früh.
Der Körper ist einfach schon so leer. Das Nervensystem überreizt. Dein Schoßraum verschlossen. Das Nein, das dann auftaucht, richtet sich nicht gegen den Partner.
Da ist er wieder, dieser Schutzmechanismus Deines Körpers.
Hör auf Lust zu spielen und komm endlich wieder in Deinem Körper an

Weibliche Lust ist etwas Empfangendes, was aus der Sicherheit heraus wächst, aus dem Gefühl, im eigenen Körper gehalten zu sein.
Der Weg zurück in Deine Lebendigkeit führt nicht über Techniken, Rollen oder neue Konzepte. Er führt über das Wieder-Spüren. Das langsame Zurückkehren in den eigenen Körper, in Deinen Schoßraum, in die Gebärmutter als Wahrnehmungs- und Empfindungsraum.
Beziehung, egal ob zum eigenen Körper oder zum Partner, entsteht nicht durch einen großen Moment. Ich denke da an die Wärmflasche einmal im Monat, wenn der Bauch weh tut und an den Blumenstrauß zum Hochzeitstag. Es braucht Kontinuität. Du musst dran bleiben im Alltag.
Dein Körper braucht immer wieder kleine Gesten der Zuwendung. Ein Innehalten. Eine Hand auf dem Bauch. Die ehrliche Frage: Was brauche ich gerade? Hunger, Durst, Pause, Wärme, Ruhe? Vielleicht sind es nur fünf Minuten Aufmerksamkeit am Tag, aber die sind echt.
Wenn Du anfängst Deinen Körper zuzuhören und seinen Signalen zu folgen, entsteht langsam wieder Vertrauen. Natürlich wird Dein Schoßraum nicht über Nacht lebendig, aber er wird spüren, dass er wieder ernst genommen wird.
Genau diese Qualität von Beziehung braucht auch Deine Partnerschaft. Nähe darf sich im Alltag wieder leicht anfühlen. In dem Gefühl, willkommen zu sein, auch mit Unsicherheit, mit Zögern und mit Müdigkeit. Auch hier darf Beziehung neu aufgebaut werden. Schritt für Schritt. Von beiden Seiten.
Es geht nie darum, dass Frauen sich verbiegen oder etwas leisten müssen. Aber es geht darum, Verantwortung zu übernehmen für die eigene Verbindung. Sicherheit entsteht dadurch zu lernen, sich selbst zu halten. Sich selbst ernst zu nehmen. Sich selbst auf eine Weise zu begegnen, die wir uns oft von anderen wünschen. Ganz ehrlich, wenn Du Dich selbst nicht ernst nimmst, Du nicht für Dich sorgst, warum sollte es jemand anderes?
Vielleicht ist genau das hier etwas Entscheidendes: Warte nicht darauf, dass jemand anderes Dich auf Händen trägt, sondern fang selbst damit an. Fang an Deinen eigenen Körper zu versorgen und ihn zu achten. Hör ihm zu. Genau da beginnt Beziehung, nach innen und nach außen.
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper
Hier berühren sich Sexualität und Körperarbeit auf eine sehr ursprüngliche Weise. Weil es nicht drum geht was darzustellen oder ne gute Performance abzuliefern. Tanz, Bewegung, Atem und Spüren sind keine Methoden, um Lust zu erzeugen. Es sind Wege zurück in Deinen Körper. Dorthin, wo Empfindung wieder möglich wird. Wo sich etwas erinnert. Wenn Frauen beginnen, ihren Körper wieder zu bewohnen, um da zu sein, dann verändert sich etwas Grundlegendes.
Zwischen Begehren und Erschöpfung liegt ein Raum, der wieder betreten werden will. Mit Zeit. Mit Ehrlichkeit. Und mit der Bereitschaft, immer wieder in Beziehung zu gehen. Es dauert seine Zeit, aber glaub mir es lohnt sich.
Ein Raum für Rückverbindung
Aus diesem Ansatz heraus ist Whisper of the Womb entstanden, eine mehrmonatige Initiationsreise für Frauen, die die Beziehung zu ihrem Schoßraum und zu sich selbst vertiefen möchten. Ich mag Euch zeigen, wie es ist, wenn man wieder lernt hinzuhören und wie sich das Wieder-in-Resonanz-Gehen mit dem eigenen Körper anfühlt.
In vier aufeinander aufbauenden Zyklen treffen wir uns online, um unserem Schoßraum Aufmerksamkeit zu schenken, eine Art Date mit der Gebärmutter. Wir sitzen zusammen, teilen unsere Geschichten, lauschen schamanischen Weisheiten aus der Tradition der Lakota, Nordamerika und erleben traditionelle Rituale aus Südamerika und Europa.
Bei Whisper of the Womb arbeite ich mit therapeutischem Wissen, verkörperter Praxis und gemeinsamem Erforschen. So schaffen wir einen Raum, in dem der Körper als Verbündete erfahren wird. Ein Erinnerungsraum. Ein Ort, an dem Frauen sich wieder erlauben, zu hören, was längst da ist, im eigenen Schoßraum, im Körpergedächtnis, in der Verbindung zu den Frauenlinien, aus denen sie kommen.
Start: 18.3.2026

