Linde, Sommerlinde (Tilia grandfolia), Winterlinde (Tilia cordata)

“Als von des Drachen Wunden floß das heiße Blut, Und sich darinne badete der kühne Recke gut, Da fiel ihm auf die Achseln ein Lindenblatt so breit: Da kann man ihn verwunden; das schafft mir Sorgen und Leid.”

Es gibt unzählige Sagen, Legenden und Lieder, die von der Linde handeln. So zum Beispiel im Nibelungen-Lied. Siegfried fällt ein Lindenblatt zwischen die Schulterblätter, als er im Blut des getöteten Drachens badet, welches ihn unverwundbar machen soll. Genau an dieser Stelle wird Siegfried sann tödlich verletzt.

Eine Linde kann bis zu 1000 Jahren alt werden, also kein Wunder, dass man sie oft in der Mitte eines Dorfes findet, ein Platz für Geselligkeit und Freude. In meinem Heimatdorf Welschingen wurde vor nicht allzu langer Zeit (im Jahr 1992) eine in den Dorfgarten gepflanzt, bei einer Feier zur Freundschaftsbekubdung mit einem Karnevalsklub aus Feldengel. Mein Bruder hatte sich liebevoll um sie gekümmert und täglich gegossen. Inzwischen ist sie ein recht stattlicher Baum, unter welchem im Sommer immer ein großes Fest stattfindet mit Musik und Tanz. Ein Ort der Freundschaft.

Auch in der Nähe von Gerichtsgebäuden findet man sie häufig an, da ihr die Kraft der Göttin Freya zugeschrieben wird und somit der Wahrheitsfindung dienen soll. In Europa symbolisiert die Linde Fruchtbarkeit und Schutz vor Blitzschlag und Dämonen. In vielen Gedichten ist sie der Treffpunkt von Liebenden und wir finden sie häufig an Straßengabelungen und bei Wegkreuzen. Sie wird astrologisch wird sie dem Mond und der Venus zugeordnet, ein richtiger Frauenbaum.

„Eichen sollst Du weichen. Buchen sollst Du suchen, wenn Du Linden nicht kannst finde.“


Ob es tatsächlich ratsam ist bei einem Gewitter unter einem Baum Schutz zu suchen sei dahin gestellt. Doch auch ich hab schon manchen kurzen Regenschauer während meiner Exkursionen unter ihnen abgewartet. Ihr dichtes Blätterwerk lässt kaum ein Tropfen durch.

Die Sommerlinde erkennst Du an ihren weißen Härchen in den Achseln der Blattnerven auf der Rückseite. Sie blüht zwischen Juni und Juli. Die Bläter  der Winterlinde hingegen sind kleiner und bräunlich behaart. Sie blüht erst etwas später. Die Blätter beider Bäume sind herzförmig und vorne zugespitzt. Sind diese noch jung, kann man sie roh essen oder zum Beispiel zu Pesto verarbeiten. Der hängende, gelbliche Blütenstand ist 2-5 blütig und mit einem flügelartigen Tragblatt verwachsen. Die Rinde der Linde (reimt sich so schön, hihi) ist grau bis schwarz, in jungen Jahren noch glatt und wird dann mit der Zeit mit der Zeit rau und längsrissig. Dieses Phänomen ist unter Menschen ja auch verbreitet.

Der Tee aus Lindenblüten wirkt immunstärkend, hustenreizlindernd, krampflösend, schweißtreibend, beruhigend, schlaffördernd und harntreibend. Ein echter Erkältungskiller. Hierfür lässt man 2 TL Lindenblüten in einem 1/4l heißem Wasser für etwa 10 Minuten ziehen. Drei Tassen davon wirken der Erkrankung entgegen und helfen beim „Herausschwitzen“. Außerdem schreibt man der Linde eine lebe-, gallen- und milzstärkende Wirkung zu. Sie vermag auch innerer Unruh, Nervosität und Existenzängste lindern.

Diese beruhigende Wirkung kannst Du spüren, wenn Du Dich mal eine Weile unter einen Lindenbaum setzt. Eine innere Stille tritt ein, das Herz entspannt sich und die Konzentration kommt zurück. Laut Hildegard von Bingen lindern frische Lindenblätter aufgelegt gereizte Augen. Probier das doch mal aus, wenn Du wieder zu lange vor dem PC gesessen hast. Ein Bad in einem Lindenblütenaufguss beruhigt nicht nur den Geist, sondern auch gereizte oder entzündete Haut.

Hast Du schon mal einen Sirup aus frischen Lindenblüten getrunken? Du kannst ihn ganz einfach selbst zubereiten, in dem Du frische Lindenblüten mit Zuckerwasser und Zitronen ansetzt. Folge am besten meiner Anleitung zum Holundersirup und tausche da die Blüten aus. Ich bin gespannt auf Deine Meinung.

Am Brunnen vor dem Thore
Da steht ein Lindenbaum:
Ich träumt’ in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt’ auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab’ ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier findst Du Deine Ruh’!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad’ in’s Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör’ ich’s rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

(Schubertlied, Text Wilhelm Müller)

Der Beitrag ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker.

Quellen: Baumheilkunde von Renato Strassmann, Die Kräuter in meinem Garten von Siegried Hirsch & Felix Grünberger und natürlich mein Wissen und meine Erfahrungen.