Die Fichte ist in Europa schon sehr lange heimisch. Der optimale Standort ist das Mittel- und Hochgebirge in freier Lage. Da sie so leicht anzusiedeln ist, im Gegensatz zur Tanne, wird in der heutigen Intensivforstwirtschaft dem kaum Beachtung geschenkt. Die Fichtennadeln in unseren Wäldern verrotten nur langsam und übersäuern den Boden. So entstehen die typisch kahlen, trockenen Waldböden. Falls ihr also eine Fichte in eurem Garten habt, gebt ihr Raum, ihr Wesen zu entfalten. Sie wirds euch danken.

Fichtenholz wurde schon seit jeher als Bauholz verwendet, auch als Schiffsmasten und Geigenholz war sie beliebt. Sie gilt als Mutter und Lebensbaum, ein Symbol der weiblichen und schöpferischen Kraft. Als Heilmittel ist sie bereits Hildegard von Bingen und Paracelsus bekannt. Sie wurde damals als Rheuma, Gicht und Erkältungsmittel angewandt. Es gibt tatsächlich wahnsinnig viele Anwendungsgebiete für Tanne und Fichte, doch ich möcht heut auf den hustenlösenden Effekt eingehen. Für den Hustensaft kannst beide gleich verwenden.

Glückliche Fichten

Zum Sammeln muss gesagt sein, dass es in manchen Gebieten verboten ist die jungen Triebe von Fichten oder Tannen zu ernten. Bitte erkundigt euch da vorher bei einem Forstwirt in eurer Gegend. Vermutlich werdet ihr aber sogar im eigenen Garten fündig, oder habt einen Bekannten, der euch an seiner Fichte sammeln lässt. An meinen Sammelorten wachsen nur Fichten, deshalb hab ich leider keine Bilder zum Vergleich, doch ich versuch euch so gut es geht den Unterschied zwischen Fichte, Tanne und der giftigen Eibe zu erklären. Falls ich in den nächsten Tagen Anschauungsmaterial finde wird dieses nachgeliefert.

Kleine Ergänzung:
Bei unserem Kurzurlaub im Toggenburg wurde ich zumindest was die Tanne betrifft fündig. Also falls du auf der Suche nach Wipfeln bist, und unsicher bist, was es ist, jeden Nadelbaum untersuchst, obs doch einen Unterschied zum Vorherigen gibt, sei beruihgt. Dir werden höchstwahrscheinlich nur Fichten begegnen. In unseren Wäldern ist bald jeder zweite Baum eine. Wenn du dann aber eine Tanne findest, erkennst du sofort den Unterschied. Und wenn nicht, kein Problem, die Wirkung der beiden ist sehr ähnlich.

Ein bekannter Merkspruch heißt: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht.” Eigentlich toll, nur reimt sich das anders rum halt auch. Also war meine Eselsbrücke irgendwann: „Das böse Vieh (Fichte) sticht, die Tanne hat ein grünes (weiches) Kleid (Oh Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren).” Vielleicht weit hergeholt, aber für mich passts. Eventuell entwickelst du dir auch einen eigenen Spruch. Die harten, vierkantigen Nadeln der Fichte wachsen rings um den Zweig, vor allem an den vorderen Trieben ist das gut zu erkennen. Weiter hinten ist oftmals die Unterseite, wie ihr im Bild seht, eher platt. Bei der Tanne wachsen die weichen Nadeln, fast Blätter, in zwei Reihen nach links und rechts, weniger nach oben und schon gar nicht nach unten. Und sie hat an deren Unterseite zwei eindeutige weiße Bänder. Auch die giftige Eibe besitzt sehr weiche Nadeln, die jedoch ringsum den Zweig wachsen. Sie piecksen aber nicht, wie bei der Fichte.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die Zapfen. Die der Fichte hängen unten am Zweig und fallen auf den Boden. Die Tannenzapfen wird man hingegen NIE auf der Erde finden, da sie nach oben wachsen und bei der Reife am Baum zerfallen. Die Eibe wiederum besitzt gar keine Zapfen.

Um sicher zu sein, keine Eibe zu erwischen, solltest du Wissen, dass die Eibe rote Samenmäntel trägt, allerdings erst im Herbst. D. h. wenn du total unsicher bist, verschiebe deine Ernte aufs nächste Jahr. So hast du genug Zeit, deine Sammelstandorte zu beobachten. Außerdem wächst die Eibe nicht aus einem Stamm, wie Tanne und Fichte, sondern aus mehreren, bei alten Exemplaren an die 20.

Beim Ernten achte bitte auch darauf, nie den vordersten Wipfel am Zweig abzuzupfen. Der Baum kann an dieser Stelle nicht mehr weiter wachsen. Nimm also immer nur die Seitentriebe.

Ich bitte den Baum immer als erstes um Erlaubnis, mich bedienen zu dürfen, ernte nie mehr als zwei Triebe von einem Ast und wie gesagt auf keinen Fall den vorderen Wipfel. Und natürlich gilt auch hier: Nur so viel ernten, wie du brauchst und verarbeiten kannst.

Nun aber zu den Rezepten:

Fichtenwipfel-Hustensirup


Du brauchst braunen Zucker, Fichten- oder Tannenwipfel und ein Schraubglas

Schichte abwechselnd die Zutaten ca. 1-2cm pro Lage ins Glas. Beginne mit den Wipfeln, dann Zucker. Die einzelnen Schichten kannst du etwas andrücken. Oben schließt du mit Zucker ab. Achte darauf, dass die Wipfel gut bedeckt sind. Dann verschliest du das Glas (NICHT SCHÜTTELN) und lässt den Sirup an einem warmen Ort, z. B. das Fensterbrett ca. 3 Monate ziehen. Das Ganze verflüssigt sich und kann am Ende abgeseidet werden. Mit den Überresten kann man einen feinen Likör ansetzen.

Mein fertiges Exemplar zeige ich euch dann also im August.

Fichtenwipfel-Oxymel


Du brauchst 1 Teil Wipfel (ich hab noch Spitzwegerich dazu getan, da er auch hustenreizlindernd wirkt), 1 Teil Apfelessig und 3 Teile Honig

Auch beim Oxymel (das bedeutet übrigens Sauerhonig und wurde schon bei den alten Griechen verwendet) beginnst du mit den Wipfeln, optional kannst du noch klein geschnittenen Spitzwegerich hinzufügen. Dann folgt eine Teil Essig, dann drei Teile Honig. Bei mir geht das Pi mal Daumen. Als Beispiel 2cm Wipfel, 2cm Essig und 6cm Honig. Zuschrauben und hier darfst du nun kräftig schütteln, auch ab und zu während der Reifezeit. Diesen Saft lässt du 4-6 Wochen an einem dunklen Ort ziehen. Nach der Ziehzeit ebenfalls abseiden.

Beide Hustensäfte wirken hustenreizstillend und schleimlösend.

Der Beitrag ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker.

Quellen: Baumheilkunde von Renato Strassmann, Die Kräuter in meinem Garten von Siegried Hirsch & Felix Grünberger und natürlich mein Wissen und meine Erfahrungen.