Meine Oma erzählte mir irgendwann mal, dass es während des Kriegs bei uns in der Gegend keine Hefe mehr zu kaufen gab. Durch die Nähe zur Schweizer Grenze eröffnete sich die Möglichkeit des Hefeschmuggels. Eine Familie in Büßlingen organisierte immer wieder eine kleine Menge Hefe und verkaufte sie dann weiter. Als ich diese Geschichte hörte, konnte ich das fast nicht glauben. Hefe? Echt jetzt.

Und plötzlich ist das gar nicht mehr weit weg. Nein wir haben keinen Krieg und den meisten geht es immer noch gut, aber uns wird bewusst, in welchem Schlaraffenland wir eigentlich die ganze Zeit lebten. Dann ist da plötzlich kein Klopapier mehr da, Nudeln findest Du nur mit Glück und ja auch Hefe gibts nur selten. Keiner muss verhungern und es ist noch lange nicht soweit, dass wir Angst haben müssten, dass es soweit kommt. Aber man wird erfinderisch.

Ich habe letzte Woche mein “Experiment Wilde Hefe” gestartet. Und, da es funktioniert hat, wollt ich euch das nicht vorenthalten. Das ist kein Aufruf, nun selber Brot zu backen, nein, der Bäcker um die Ecke hat es in dieser Zeit schwer genug. Ich werde mein Brot immer noch kaufen. Aber wer bäckt nicht gern mal ein Hefezopf oder eine Pizza mit selbstgemachtem Teig? Außerdem ist die Wilde Hefe viel bekömlicher, als normale Backhefe.

Sie ist jedoch nix für mal schnell. Wenn Du sie das erste Mal ansetzt braucht sie je nach Umgebungstemperatur zwischen fünf und neun Tage, bis sie verwendbar ist. Ausserdem muss die Menge an Hefe vor dem Teig machen 12 Stunden aktiviert werden und auch der Teig ruht dann gern über Nacht. Gut Ding will Weile haben. Das heißt für Dich, mit ein wenig Planung kein Problem.

So und nun geht’s los :

An Tag acht habe ich meine flüssige Hefe dann durch ein feines Sieb gefiltert und in saubere Fläschchen abgefüllt. Sie ist im Kühlschrank zwei Monate haltbar, weil sie beiniedrigen Temperaturen inaktiv ist.
Du brauchst π mal Daumen 100ml wilde Hefe auf 500g Mehl. Für einen normalen Pizzateig z. B. ersetzt man einfach 100ml des Wassers mit der wilden Hefe. Aber dazu findest Du viele Rezepte im Internet. Wenn Du nun etwas damit backen magst, kannst du morgens 100ml Hefe mit einem Esslöffel Zucker mischen. Damit werden die Hefebakterien aktiviert. Am Abend stellst Du den Teig an, den Du im Laufe des nächsten Tages verarbeiten kannst.

Was dabei heraus kommen kann zeig ich Dir hier:

Wenn Du nun erneut Wilde Hefe herstellen willst, setzt Du das wieder frisch an und gibst 50ml von Deiner vorigen Hefe dazu. Der Gärprozess verkürzt sich damit auf 1 bis 3 Tage.

Und, hast Du Lust gekriegt, das mal nachzumachen?