Hallo ihr Lieben,

wie ihr sicher mitbekommen habt, war ich 10 Tage in Italien im Urlaub. Für mich ist Italien das Land, in dem ich am liebsten Ferien mache. Sonne, Strand, Berge, eine schöne Sprache und es ist eigentlich nicht weit weg. In diesem Bericht möchte ich nicht tagebuchartig den Ablauf erzählen, sondern meine Erfahrungen der letzten drei Urlaube dort mit Euch teilen. Und zwar die schönen und die nicht so tollen.

Wir waren nun das dritte Mal im Cilento und besuchten dort einen Freund. Das Cilento ist ein Nationalpark-Gebiet und liegt ca 1 1/2 Autostunden unterhalb von Neapel. Es gibt eine Menge kleine, alte Dörfer und viel Wald, Natur pur. Außerdem ist es ein toller Ausgangspunkt um Highlights der Umgebung zu besuchen. Aber bevor ich jetzt ins Schwärmen gerate, mag ich erst mal über den Reiseweg berichten.

2016 waren wir mit unserem alten Golf Cabrio unterwegs und legten auf dem Hinweg den Hauptteil der Strecke abseits der Autobahn zurück, ab Genua entlang der Küste, um das Cabriofeeling besser genießen zu können. Es war eine wirklich schöne Tour, die wir innerhalb zwei Tagen mit Zwischenstopp in der Toskana gemacht haben. Für den Rückweg hatten wir drei Nächte in Rom mit eingeplant. Dort übernachteten wir sehr zentral direkt bei der Engelsburg im Annette B&B bei Gabriela. Falls Ihr mal vorhabt nach Rom zu gehen kann ich Euch dieses B&B nur empfehlen. Durch die bergige Landschaft im Cilento und die extrem schlechten Straßen wurde unser Cabrio doch recht in Mitleidenschaft gezogen. Die Stoßdämpfer waren am Ende hinüber. Als wir wieder daheim ankamen, hüpfte das Auto bei der kleinsten Unebenheit wie ein Känguru. Rückblickend kann ich sagen, war es tatsächlich die coolste und unproblematischste An- und Rückreise.

2018, wieder mit dem Auto, diesmal ein geräumiger Jaguar s-type, teilten wir uns die Strecke von 1300 km auch in zwei Etappen ein. Auf dem Hinweg übernachteten wir in Orvieto, ein unglaublich schönes Städtchen in der Toskana, nicht weit weg von der Autobahn.
Und dann nahm das Unglück seinen Lauf… Die Fahrt war sehr anstrengend, dauernd musste man aufpassen, dass nicht plötzlich ein Auto vor oder neben einem, einen Schlenker machte. Sorry liebe Italiener, ich mag euch wirklich gerne, aber wieso habt ihr alle eure Handys in der Hand beim Fahren? Ungefähr eine Stunde von unserem Zielort Gorga entfernt, rammte uns dann ein SUV von hinten. Und das im Stop-and-go vor einem Kreisverkehr. Ich will euch nicht die ganze Geschichte aufhalsen. Es war jedenfalls ein riesiges Theater. Das Ende vom Lied war ein hinten zermatschtes Auto, mit dem wir es zwei Wochen später gerade so heim geschafft hatten, und ein mega Tamtam bis endlich über ein halbes Jahr später das Geld von der gegnerischen Versicherung ausgezahlt wurde. Außerdem mussten wir feststellen, dass allein die Reisekosten recht teuer waren. Für einen Weg braucht man gut zwei Tankfüllungen (180,-), ca. 90 – € Maut, eine Übernachtung (ab 60,-) macht für die komplette Fahrt, hin und zurück um die 660,- €!

Dieses Jahr entschieden wir uns dann zu fliegen. Die Flugkosten betrugen bei easy jet 80,- € pro Person. Dazu kam ein Koffer bis 25 kg für 25,-€, Handgepäck gratis. Um von Neapel bis Gorga zu kommen und um dort flexibel zu sein, buchten wir einen Kleinwagen (140,- € für zehn Tage). Wenn alles so geklappt hätte, wie es geplant war, wären wir also ungefähr bei der Hälfte des Preises zum letzten Jahr gewesen. Dummerweise hatte unser Flug über zwei Stunden Verspätung. Anstatt um 19.10 Uhr war der Abflug erst um 21.45 Uhr. Als wir dann endlich gegen 23.30 Uhr in Neapel gelandet waren, war das Mietwagenunternehmen gerade dabei zu schließen. Wir sollen doch morgen wieder kommen. Nach einigem hin und her stellte sich heraus, dass der Anspruch auf unseren Mietwagen verfallen war, weil wir zu spät eintrafen. Dass unsere Ankunft in Verbindung mit der Flugnummer angegeben war und Avis eigentlich auf uns hätte warten sollen, interessierte nicht. Da wir mit meinem Schwager, seiner Frau und deren neunmonatigem Baby unterwegs waren, gab es nicht viele Optionen. Ein Auto musste her. Also jubelte man uns „das letzte verfügbare“ Gefährt unter. Ein Raumschiff (Peugeot 5008) mit sieben Sitzen für knapp 500,- €. Nun ja, bis wir endlich in Gorga ankamen war es 3 Uhr morgens. Die Rückreise verlief dagegen ohne Aufsehen.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich zwar wieder fliegen würde, aber definitiv nicht mit easy jet bzw. nicht zu so später Stunde (Verspätungen muss man da wohl einkalkulieren), um den Schlamassel mit dem Mietwagen zu umgehen. Im italienischen Straßenverkehr ist ein Mietwagen mit Vollkasko (ich buche immer über ADAC) echt zu empfehlen. Falls was passiert, selbstverschuldet oder nicht, das eigene Auto bleibt unversehrt. Und das eigentlich zum Preis von 140,- € ist unschlagbar. Möchte man die schöne Landschaft auf dem Weg genießen, ist ein Roadtrip abseits der Autobahnen natürlich sehr empfehlenswert.

Nun aber zu den schönen Seiten. Der Cilento liegt in Kampanien, ist der zweitgrößte Nationalpark Italiens und UNESCO Weltkulturerbe. Meer, Strand, Berge und griechische Tempel, laden zu einem abwechslungsreichen Urlaub ein. Obwohl wir die Gegend schon das dritte Mal besuchten, haben wir die angeblich tollen Wandermöglichkeiten noch nicht genutzt. Uns haben es die griechischen Ruinen und vor allem das Meer mit seinen wundervollen Strände angetan. Unser Lieblingsplatz zum Baden und Chillen ist eindeutig der hintere Strandabschnitt in Ascea di Marina. Der feine Sand und die Kulisse drum herum ist ein richtiges Highlight. Und glaubt mir, die Strandbar dort macht die besten Spaghetti vongole.

Wie schon erwähnt wohnen wir immer bei einem Freund, der oben in den Bergen wohnt. In diesem Gebiet hat es viele kleine Orte, abseits vom Tourismus. Jetzt denkt ihr sicher, dass es dort schön ruhig, idyllisch und erholsam ist. Erholsam und idyllisch ja, ruhig? Nein…
Jeden morgen um vier kräht irgendwo ein Hahn. Es ist noch dunkel und irgendwann schafft man es wieder einzuschlafen. Gegen halb sechs versucht einer der Dorfbewohner mehrmals erfolglos sein altes Auto zu starten, direkt unter unserem Zimmer. Nach mehreren Versuchen haben sich ein paar andere Frühaufsteher dazu gesellt und eine lautstarke Diskussion beginnt. Das Auto springt an, fährt weg, die anderen verschwinden auch wieder hinter ihren Türen, die kräftig zugeknallt werden. OK, wach. Eigentlich ist es noch zu früh zum Aufstehen, schließlich haben wir Urlaub. Also zieht man die Decke nochmal bis unter die Nase und hofft wieder schlafen zu können. Wenigstens bis halb acht, wenn die Alte von neben an mit ihrer Reibeisenstimme den Rest des Dorfes aufweckt. Und täglich grüßt das Murmeltier. Das ist halt das typische Leben in einem italienischen Dörfchen.

Egal zu welcher Zeit wir bisher in Gorga waren, wir sind immer in den Genuss eines Feiertages gekommen, an dem ein Schutzpatron des Dorfes gefeiert wurde. Meist wird schon am Abend davor mit den Festlichkeiten begonnen. Ein Foodtruck aus der Umgebung, eine Band und natürlich ein Feuerwerk gehören da genauso dazu wie die Prozession und die Messe zu Ehren des Heiligen, der gerade an der Reihe ist. Und ganz klar, ein zünftiges Familienessen. Die Häuser werden mit bunten Lichtbögen geschmückt, auch etwas Kitsch muss sein.

Dieses Jahr machten wir eine Miniwanderung zu einer 1000 Jahren alten Eiche, die am Hang unterhalb des Dorfes steht. Es braucht sieben Menschen um diesen massiven Stamm zu umarmen. Da wird man dann doch ein bisschen ehrfürchtig.

Um ans Meer zu kommen, fährt man mit dem Auto ca. 45 Minuten durch eine herrliche Naturlandschaft. Der Weg ist sehr kurvig und übersät von Bodenwellen und Schlaglöchern. Auf halber Strecke liegt Vallo della Lucania. Keine besonders schöne Stadt, aber dort bekommt man alles, was man braucht. Das erste Ausflugsziel, zu dem ich Euch nun mitnehme, ist Agropoli. Sie ist die größte Stadt an der Cilentoküste und vereint das Moderne und das Romantische. Sie hat einen belebten Hafen und die Altstadt liegt auf einem langen Felsenausläufer, von dem man eine wunderbare Aussicht hat. Auch hier gibt es tolle Strände zum Beispiel die Baia di Trentova.

Baia di Trentova


Ganz in der Nähe liegt Paestum mit seiner alten griechischen Tempelanlage. Die Stadt wurde in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. erbaut, unter dem Namen Poseidonia, zu Ehren des Meeresgottes Poseidon. Es gibt hier ein Museum, mit Ausgrabungsfunden und die begehbare Ruinenanlage. In dieser kann man durch eine riesige Stadt aus Grundmauern laufen. Innerhalb dieser Mauern sind sehr guterhaltene, schmückende Fliesenböden zu bewundern. Der größte Schatz sind allerdings die beeindruckenden Tempel, die vergleichbar sind mit denen in Athen. Die großen Steintreppen zu erklimmen und mal zwischen diesen mächtigen Säulen zu stehen ist schon ein besonderes Gefühl.

Letztes Jahr war Sightseeing in Neapel angesagt. Unser zweites Ausflugsziel. Es ist von unserem Standort relativ einfach mit dem Zug zu erreichen. Ich würde auch jedem empfehlen das Auto nicht in der Stadt zu nutzen. Der Verkehr ist, naja sagen wir typisch italienisch. Unsere Übernachtungsmöglichkeit wählten wir taktisch zentral und gut mit der U-Bahn erreichbar. Wir waren total überrascht, in was für einem tollen B&B wir gelandet waren, als wir eintrafen. Auch dieses Jahr konnten wir glücklicherweise wieder bei der lieben Gemma im La Gemma direkt am Danteplatz wohnen.
Geht man da durch die Port‘ Alba befindet man sich schon mitten im napoletanischen Trubel. Der Duft von Pizza schwebt in der Luft, man ist umzingelt von lautem Stimmengewirr und an jedem Pizzastand (davon gibt es seeehr viele) eine Menschenschlange. Ganz klar stellen auch wir uns an, denn hier soll es die beste Pizza geben. Und was soll ich sagen? Sie schmeckt fantastisch! (Wobei die Pizza im Nachbarort unseres Freundes fast noch besser ist.) In Neapel gibt es außer Pizza noch anderes zu entdecken, z. B. das Castel Sant‘ Elmo, welches man von Gemmas Dachterrasse aus sehen kann. Man kommt bequem mit der Metro hin und hat einen beeindruckenden Ausblick von da oben aus. Man sieht die Spaccanapoli, den Hafen und im Hintergrund den Vesuv. Über eine lange Treppe gelangt man recht zügig wieder in die Altstadt. Leider war die Treppe, umsäumt von schönen italienischen Häusern, komplett vermüllt. Glasscherben, Spritzen und ein ekliger Geruch machten den Abstieg zu einer eher unangenehmen Angelegenheit.
Ist man wieder unten liegt es nahe noch ein bisschen tiefer zu steigen in Neapels Unterwelt, die „Napoli Sotterranea“. Eine interessante Exkursion durch das weitverzweigte System von Gängen, Höhlen und Zisternen, die auf jeden Fall dazu gehört. Next stop Galeria Umberto. Sie liegt an der Einkaufsstraße Via Toledo. Allerdings braucht man hier ein gut gefülltes Portemonnaie. Noch ein Stück weiter kommt man schließlich an Neapels Hafen, wo sich auch das Castel Nuovo befindet. Von außen sieht es recht beeindruckend aus, das Innere konnten wir uns nicht ansehen, da es schon geschlossen war. Am Wasser angelangt hat man ein gutes Stück Fußmarsch hinter sich und es ist der ideale Ort um sich einen Aperol Spritz zu gönnen. Auf den ersten Blick hat Neapel nicht viel zu bieten als Müll, Chaos und Lärm.
Man muss sich wirklich drauf einlassen und zweimal hinschauen um den Charme dieser Stadt zu erkennen. Mir hat am besten gefallen, dass abends an jeder Ecke Straßenmusikanten unterwegs sind, die das Glas Rotwein in einer der unzähligen Bars perfekt abrunden.

Unser letztes großes Ziel ist die Amalfiküste. Sie beeindruckt mit umwerfenden Ausblicken auf die Städtchen und Hänge entlang der Amalfitana. Geplant war Amalfi und Positano, „der wohl einzige senkrechte Ort der Welt“. Ab Salerno fährt man auf der S 163. Wir waren zwar außerhalb der Hauptsaison unterwegs, aber die Autofahrt war wirklich ein Abenteuer für sich. Eine enge Straße, entgegenkommende Busse und und in Kurven geparkte Autos lassen den Verkehr nur stockend vorankommen. Leider gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten, um anzuhalten und die Aussicht zu genießen. Ich hab versucht die Schönsten aus dem fahrenden Auto festzuhalten. Als wir endlich auf Amalfi hinab schauen konnte, war ich etwas enttäuscht, da die Orte zuvor, Maiori und Minori, viel einladender ausgesehen hatten. An umdrehen war aber gar nicht zu denken. Im Ortskern angekommen wurden wir geradewegs durchgewunken. Die Parkplätze waren alle voll und auch am Straßenrand war keine noch so kleine Lücke mehr frei. Und schon gar nicht für unser Raumschiff. Es blieb uns nichts anderes übrig als weiterzufahren. Für die 16 km nach Positano brauchten wir über eine Stunde. Es grenzt an ein Wunder, dass wir das Auto am Ende unserer Reise tatsächlich ohne Kratzer an der Mietwagenstation abgeben konnten. Chapeau vor den Fahrkünsten meines Mannes.

Auch Positano ist recht überlaufen, viele Amerikaner waren unterwegs, aber bei diesem schönen Fleckchen Erde ist das ja klar. Der Weg hat sich definitiv gelohnt. Ich brauch nicht viel dazu zu sagen. Schaut selbst.


Gegen Abend fuhren wir zu unserem Hotel, welches weiter oben in Furore lag. Das L‘ Incanto ist direkt am Hang gebaut und man hat von der Terrasse aus einen umwerfenden Blick auf die Küste. So kann man den Urlaub ausklingen lassen. Oder was meint Ihr?

Wie Ihr seht, haben wir noch lange nicht alles enteckt. Im Cilento wandern steht beim nächsten Besuch auf der To-Do-Liste. Auch die Strände von Camerota und Palinuro weiter südlich, haben wir nur mal kurz besucht und sind auf jeden Fall nochmal ein Ausflug wert. Und natürlich warten Pompeji und der Vesuv noch auf uns. Ich freu mich schon aufs nächste Mal…

Amalfitana